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Friedhelm Schönfeld - What Happened

jazzwerkstatt JW168

 

 
 

WHAT HAPPENED? Was hat sich ereignet? Was ist passiert?
Rein faktisch: wir haben diese Quartett-CD eingespielt, unter besten Bedingungen! Ohne zeitliche und kommerzielle Zwänge und mit einem hervorragenden, entspannte, musikerfreundliche Atmosphäre schaffen- den Tontechnikteam in den RBB-Studios.... [mehr]

Cover: Jürgen Trübenbach/Herbert Weisrock

Friedhelm Schönfeld - alto & tenorsax, altoclarinet

Rolf von Nordenskjöld - barisax, contrabass clarinet, piccolo & bass flute

Gerhard 'Kubi' Kubach - double bass
Ernst Bier - drums

 

1. What happened F.Schönfeld     6:06
2. Go and Stop  F.Schönfeld     5:19
3.

Wohin des Wegs

F.Schönfeld   10:22
4. On a quiet day F.Schönfeld   3:51
5. Niemandsland R. v.Nordenskjöld     8:14
6. Manchmal scheint's als ob F.Schönfeld   6:46
7. Song for Rolf's big flute F.Schönfeld     7:58
8. Moods & Colors  Schönfeld/Nordenskjöld/Kubach/Bier    12:45
9. Quietude  F.Schönfeld     4:04
10. Rare Union F.Schönfeld     6:35

 

Recorded April 2015 at rbb, Studio T 3/ Saal 2, Berlin (Germany)
Sound Supervisor: Wolfgang Hoff
Sound Engineer: Peter Avar
Digital Cut: Uli Hieber
Producer for rbb: Ulf Drechsel
Executive Producer: Ulli Blobel
Photos: Jürgen Trübenbach (Front), Lothar Fietzek (Solo), Mehmet Dedeoğlu 'dedepress' (Quartett)
Booklet Editor: Peter Reich
Design: Herbert Weisrock

Ernst Bier plays Pommerenke Drums - www.schlagzeugbetreuung.de

 

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Linernotes

 

WHAT HAPPENED? Was hat sich ereignet? Was ist passiert?

Rein faktisch: wir haben diese Quartett-CD eingespielt, unter besten Bedingungen! Ohne zeitliche und kommerzielle Zwänge und mit einem hervorragenden, entspannte, musikerfreundliche Atmosphäre schaffen- den Tontechnikteam in den RBB-Studios, wofür wir uns bei dem Produzenten Ulf Drechsel und dem die CD veröffentlichenden Ulli Blobel herzlich bedanken!

Mein Ruf für die Ansage an die Technik, am Beginn von What happened, gab , gewissermaßen zufällig und unbeabsichtigt, aber nun doch programmatisch, den Ausschlag zur Wahl dieses Titels für unsere CD.  Die Beurteilung dessen, was sich musikalisch ereignet hat, liegt nun also auch für jeden Hörer (so ihn unsere Musik emotional erreicht) in seinem Ermessen.
Im Sinne des Begriffs Free-Jazz (dem meine musikalischen Äußerungen spätestens seit Mitte der 60er Jahren zugeordnet werden), mag die Titelauswahl auf unserer CD ein wenig uneinheitlich und traditionell erscheinen. Sie ist aber letztlich ein Teil des Konglomerats meines (doch schon etwas länger währenden) durchlebten Musikerdaseins mit den vielen wechselnden Einflüssen und den daraus gewonnenen Einsichten. Ich habe seitdem das Prinzip, hauptsächlich eigene Kompositionen  zu spielen (als seinerzeitige Notwendigkeit, neue Pfade zu beschreiten), stets beibehalten. Die vorliegenden Titel entspringen dem seit unserer Gründung 2011, anlässlich der Wiederaufnahme des Peitzer Jazz-Festivals, unter dem Motto Woodstock am Karpfenteich entstandenen  Repertoire. Selbige sind sehr unterschiedlich und wechseln auch innerhalb einzelner Titel die musikalisch-stilistischen Mittel und Stimmungen.

Ich glaube, dass wir, als 'Freie Musik'-Praktizierende (ich ziehe diesen Ausdruck dem Begriff Free-Jazz vor) mit unseren musikalischen Äußerungen, neben der Möglichkeit und Aufgabe der Reflexion unserer Umwelt in all ihren Erscheinungsformen, auch die Jahrhunderte währende Rolle der Musik als Möglichkeit zur Selbstbesinnung, des Erholens von den Horrormeldungen und Wirrnissen unserer aus den Fugen geratenen Welt nicht aus den Augen verlieren sollten, da sie darin nach wie vor ihre wichtige Aufgabe hat. Diese Einsicht, als ein Teil meines Verständnisses unseres Tuns in der heutigen Zeit, ließ mich auch traditioneller erscheinende Titel, wie Quietude (Stille, Ruhe, Seelenfrieden), On a quiet day oder Song For Rolf's Big Flute für unsere CD auswählen. Ich hoffe, dass es uns großenteils gelungen ist, das Emotionale und Inspirierte eines Live Konzerts, wie bei unserer normalen Bühnenpräsenz, zu vermitteln und hör- und fühlbar zu machen!?

 

 

 

 

 

 

 

 
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Presse:

 

Manch alte Freejazzer haben sich im Laufe der Jahrzehnte eine Souveränität erspielt, die den zahllosen jungen Technik-Perfektionisten, die unser Musikschul-System hervorbringt, schlicht abgeht. Es ist dieser ungeheuer weite Horizont, der den aktuellen Klängen eines Alexander Schlippenbach, eines Peter Brötzmann oder eben eines Friedhelm Schönfeld so viel Seele verleiht. Mit Augenzwinkern streift das Quartett des Saxofonisten, derzu den Gallionsfiguren der DDR Jazzavantgarde gehörte, durch die Jazzhistorie. Alle Stücke auf „What Happened“ sind vom Bandleader bzw. seinen Mitstreitern komponiert. Seit fünf Jahren spielt das hoch-karätige Quartett zusammen. Rolf von Nordenskjöld sorgt mit seinem illustren Instrumentarium (Baritonsaxofon, Kontrabassklarinette, Bass- und Piccoloflöte) für eine originelle Klanger- weiterung, unterstrichen (bisweilen tatsächlich mit dem Bogen) vom Bassisten Gerhard Kubach, der dem Kontrabass selbst in den perkussiven und virtuosen Passagen einen warmen Sound entlockt. „Kubi“ war zuletzt im Trio mit dem Pianisten Uli Lenz und dem Schlagzeuger Zam Johnson unterwegs. Mit Schönfeld spielte er seit 1990 immer wieder zusammen. Schlagzeuger Ernst Bier ist aus der hyperaktiven Berliner Szene nicht wegzudenken. Wie ein Chamäleon weiß er sich den unterschiedlichsten Rahmenbedingungen anzupassen. Ob Literaturlesung mit Katja Riemann oder Bluesrock mit Nigel Kennedy, Bier findet stets den richtigen Sound. Er ist kein stupender Timekeeper, der mit nervigen Soloeinlagen auf sich aufmerksam machen muss, sondern vielmehr einfühlsamer Klangmaler, der im Zusammenspiel mit Mack Goldsbury, im Christoph Adams Trio und in seiner Band Unity6 seine Vielseitigkeit unter Beweis stellt. Bier tupft luftige Klangfarben auf die Palette, versinkt tief in die Strukturen jeder Komposition, lässt Raum zum atmen. Bisweilen verraten seine lockeren Breaks anarchische Züge, erinnern an seinen Lehrmeister früher New Yorker Tage, den legendären Elvin Jones, Brückenbauer zwischen Hardbop und freier Avantgarde. Zu diesen darf man auch Schönfeld rechnen. Er geht munter auf die 80 zu, was angesichts seiner Bühnenpräsenz kaum zu glauben ist. Seine Intonation ist noch immer sauber, seine Spielfreude und sein Humor sind Motor eines Quartetts, das sich durchaus mit der amerikanischen Champions-League messen kann. „What Happened“ ist eine Ansage, die von gesundem Selbstbewustsein zeugt. Mit Recht.

                                                                                     FONO FORUM 08/16 - Reiner H. Nitschke

 

                                                                                                                                                                    Foto: Lothar Fietzek

Außer sechs Titeln des 2011 gegründeten aktuellen Friedhelm Schönfeld Quartetts von 2011 auf der Live-CD-DVD Edition jazzwerkstatt jw 300(siehe JP 6/2013) gab es jahrzehntelang keine Aufnahmen unter Friedhelm Schönfelds Namen, der 1983 die DDR verließ und als Exponent der Free Jazz-Szene dieses Landes galt. Allerdings vermeidet er diesen Tenninus, favorisiert dafür den Begriff ‚Freie Musik', offenbar um sich von bestimmten Free Jazz Interpreten abzugrenzen und sehr individuell geprägte Intentionen zu verfolgen, wie sie auf den o. g. Live-Aufnahmen und auf vorliegender, im April 2015 eingespielten CD hörbar gemacht werden. Schönfelds Schreib- und Interpretationsweise ist gekennzeichnet von einem beispielhaft ausgewogenen Wechsel von arrangierten und in freiem Spiel vorgetragenen Parts, wobei letztere niemals in Kraftmeierei und letztlich inhaltsarme Gleichförmigkeit ausufem. Vielmehr zeigen sich diese bruchlos ins Gesamtkonzept der Stücke integriert, dabei erkennbar strukturiert und kontrolliert. Gewiss unnötig hervorzuheben, dass daraus höchste Ansprüche an die Musiker resultieren. Acht der zehn Titel sind Kompositionen von Friedhelm Schönfeld, die in einfallsreichen Arrangements erscheinen. Er setzt dabei Alt- und Tenorsaxophon sowie die Alt-Klarinette ein, während Rolf von Nordenskjöld, Baritonsaxophon, Kontrabassklarinette, Piccolo- und Bassflöte, als zweiter Frontmann agiert, aus dessen Feder ‚Niemandsland" stammt. .Moods and colours' ist eine Kollektivschöpfung des Quartetts. Das absolute Top-Format beider Frontrnen zeigt sich sowohl in ihrem Zusammenspiel, wie auch in ihren Dialogen und Soli, zudem verfügen sie über einen weiten, von Melodiebetont bis zu Expressivität reichenden Ausdrucksbereich, der im Ablauf der Stücke variieren kann. Mit dem von beiden Bläsern eingesetzten vielfältigen Instrumentarium wird ein gleichfalls innerhalb der Stücke variierender Klangfarbenreichtum entfaltet, der das Programm der CD zu einem spannungs- geladenen erstrangigen l-lörerlebnis macht. Mit Bassist Gerhard ‚Kubi' Kubach und dem in allen Jazzbereichen versierten Drummer Ernst Bier bilden zwei TopMusiker aus Berlins Jazz-szene das adäquate, ebenfalls variantenreich gestaltete rhythmische Rückgrat. Dabei agiert Bier dynamisch einfühlsam mit stets wahmehmbarem Drive, Kubach dagegen führt besonders in seinen Soloparts ein von oftatemberaubender Technik dominiertes Ausdrucksspektrum vor. Eindrucksvoll sind die Kontrabass-Drums-Dialoge in „Go and stop' und ‚Wohin des Wegs'. Friedhelm Schönfeld umreißt in den Liner notes Intention und Konzept seines Quartetts. das bei aller ‚Modernität" die'jazzigen Gleise niemals verlässt und alle entsprechenden Kriterien überzeugend erfüllt. Fünf imaginäre Sterne für diese herausragende Edition und der Wunsch des Rezensenten, dass diese auch ihren Weg zu einer Preisvergebenden Jury finden möge! 

                                                                                           Jazz Podium 9/16 - Gerhard Hopfe

 

                                                                                                                                                                    Foto: Lothar Fietzek

Ein swingender Puls von Bass und Schlagzeug. Zwei Holzbläser, die freitonal darüber improvisieren. Braucht es mehr? Formale Zwänge gibt es hier kaum, dafür eine Vielzahl spannender Themen zwischen Ellington-Mood („On A Quiet Day“) und Thriller-Groove („Wohin Des Wegs“) und eine reiche Bläserpalette von Altklarinette bis Baritonsax, von Piccoloflöte bis Kontrabassklarinette. Der Bandleader Friedhelm Schönfeld (78) gehört zu den Legenden der ehemaligen Jazzszene der DDR. Seine Karriere begann er 1960 als Satzführer im Rundfunk-Tanzorchester von Ostberlin, später entdeckte er die Freuden der freien Improvisationsmusik und agierte vielfach mit „Baby“ Sommer oder „Luten“ Petrowsky. 1983, als Schönfeld nach Kanada auswanderte, schloss Rolf von Nordenskjöld, der andere Holzbläser des Quartetts, gerade sein Musikstudium in Ostberlin ab. Gerhard Kubach (Bass) spielte damals in der DDR-Jazzrockband Bajazzo, Ernst Bier (Schlagzeug) war dagegen gerade ein aktiver Teil der New Yorker Szene. Seit 2011 spielen diese vier nun alle zusammen — mit viel Freiheit, viel Feeling und viel Swing. Selbst beim kollektiv improvisierten 12-Minuten- Stück „Moods And Colours“ setzen sich immer wieder Grooves und Tempi durch. Diese fantasievolle Haltung, die dem DDR-Publikum einst ein Le-
bensnerv war, klingt noch heute gut und richtig und hat alles, was Jazz braucht. Mit seiner frechen Vitalität beschämt Schönfeld so manchen Jazzjüngling.

                                                                                       FIDELITY No.28 - Hans-Jürgen Schaal

 

”What happened?”, fragt Friedhelm Schönfeld auf seiner neuen Quartettplatte.

Sie leuchtet bedingungslos Ecken und Kanten des modernen Jazz eingedenk freier Spielweisen aus. Acht Stücke hat der einstige Pionier des freien Jazz im ostdeutschen Staat seinem seit einem halben Jahrzehnt bestehenden Quartett auf den Leib geschrieben. Der 78-jährige Saxophonist agiert nach wie vor impulsiv, lässt sich vom eine Generation jüngeren Saxophonisten Rolf von Nordenskjöld, ebenfalls Holzbläser, nicht an die Wand drücken. Aus dem Unisonospiel der beiden Bläser ergeben sich hitzige Zwiegespräche, die sich immer wieder solistisch zuspitzen. Ergebnis ist ein faszinierender Reichtum an Klangfarben und ein schier unbegrenzt scheinendes Ausdrucksspektrum. Diese werden von einem sich blind verstehenden Rhythmusgespann getragen. Bassist Gerhard Kubach und Schlagzeuger Ernst Bier, deren Technik auch solistisch brilliert, verstricken sich auf ”Go and Stop” und ”Wohin des Wegs?” in eindrucksvolle Dialoge.
                                                                                      
JAZZ 'N' MORE Nr.1/2017 Reiner Kobe

 


mail: ernst.bier@jazzdrumming.de
 

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